Kreta

Unsere Hochzeitsreise nach Kreta

Ruinen Helme
"Wir beide unterwegs"...... Das ist der Lieblingsspruch meines lieben Gatten, wenn wir beide auf Reisen sind. "Auf Reisen" kann aber auch nur ein Tagesausflug sein... Hier geht es um Kreta. 14 Tage Ruhe und Entspannung sowie herrliche Fahrten mit dem Motorrad um Land und Leute etwas näher kennenzulernen. Das hatten wir uns nach Hauskauf, Renovierungs-Umzugs-Hochzeitsorganisations und Hochzeitsstress verdient.
Wir waren uns zuerst nicht schlüssig, wohin wir überhaupt wollen. Es sollte auf jeden Fall warm sein und schöne Strassen zum Motorradfahren geben. Da sassen wir nun im Reisebüro uns suchten nach einem schönen Fleckchen. War gar nicht so einfach, denn unser Urlaub fiel gerade in die Herbstferien. Aber wir wurden schliesslich fündig: Kreta. Prima, dort war noch niemand von uns. Kreta bietet Berge und Meer und laut Auskunft des Reisebüroangestellten wäre Oktober eine gute Zeit. Man hätte noch schönes Wetter. Nicht zu heiss und nicht zu kalt, also perfekt fürs Motorrad. Wir würden in unserer Kleidung nicht den Hitzetod sterben. Am 9. Oktober ging's los. Wir mussten allerdings erst mit dem Auto nach Hannover fahren. Dort bestiegen wir das Flugzeug. Ab, der Sonne entgegen...

Juhu, wir sind da. In Heraklion auf dem Flughafen fühlten wir schon die milde Temperatur, hatten Sonnenschein...einfach herrlich! Jetzt schnell Koffer holen und zum Shuttle-Bus. Alles lief reibungslos. Jetzt waren wir auf das Hotel gespannt. Nachdem die ersten Mitreisenden an ihren Hotels abgeliefert wurden waren wir jetzt an der Reihe. Wir wurden an einer grossen, lauten Hauptstrasse in Hersonissos abgesetzt. Nun gut.. der Busfahrer sagte, wir bräuchten nur über die Strasse in die kleine gegenüber laufen.. Dort ist unser Hotel.. War es auch. Es machte jedoch einen besseren Eindruck als die Gegend erst vermuten liess.

Am zweiten Tag unseres Kretaurlaubes machten wir uns auf um nach geeigneten Motorrädern zu suchen. Wir klapperten so einige Vermietungen ab und schauten, was diese für Mietmotorräder bereithielten. Es war gar nicht so einfach, denn es gab fast nur Enduros, die für mich einfach viel zu hoch waren. Einen Roller oder Quad wollte ich natürlich auch nicht fahren. Unterwegs entdeckten wir bei einer Vermietung so kleine Mini-Buggies. So ein Teil mussten wir unbedingt ausprobieren. Da es sowieso schon nachmittag war, wollten wir zumindest mal unseren Urlaubsort erkunden. Da bot sich so ein Miniding doch an.xx

Miniding


Miniding_1

Für drei Stunden war das nun unseres. Fürchterlich eng und ungemütlich, recht laut aber irgendwie spassig. Unterwegs haben wir teilweise mitleidige aber auch amüsierte Blicke zugeworfen bekommen. Die Steigungen quälte es sich mühselig aber gehorsam hoch. Auf Geraden erschien es sogar recht flott. Die verschlungenen Strassen wieder runter zu kommen war sehr abenteuerlich denn die Bremsen funktionierten nicht so, wie es vielleicht angebracht wäre. Frank hatte teilweise Mühe die kleine Mühle zum Stillstand zu bringen. Unterwegs fing es dann auch noch an zu regnen. Da wir kein Dach oder Verdeck hatten wurde das zu einer recht nassen Angelegenheit. Unsere drei Stunden waren noch nicht um aber wir brachten den Kugelblitz trotzdem zurück. Die restliche Zeit hätten wir noch nachholen können.
Irgendwann, gegen abend sind wir bei der Firma Motor Plan angekommen. Dort fanden wir für mich eine Honda Baja (nie gehört oder gesehen, aber ich bin so einigermassen mit den Füssen auf den Boden gekommen) und für Frank eine Yamaha XT 600. Kurze Probefahrt. Hm, naja... gewöhnungsbedürftig. Wir haben dann die Motorräder gleich für 10 Tage gemietet.

Baja

Das ist die Honda Baja. Auf dem Bild leider nicht zu sehen: Ein fürchterlich häßlicher Doppelscheinwerfer. Hat für eine 250er einen urigen Sound. Setzt man sich drauf geht das Ding um einiges in die Knie. Flott unterwegs sein ist was anderes, fährt aber... Am folgenden Tag wollten wir eine kleine Tour fahren. Das Wetter war nicht so dolle. Die Strassen waren nass...Für mich damals noch natürlich schrecklich. Fremdes und völlig anderes Motorrad als ich zu Hause habe, und dann noch auf feuchter, kurviger Strasse. Ich komme mit den 250 ccm nicht hinter Frank her und fluche in meinen nichtvorhandenen Bart.
Wir machen einen Stopp. Ich entscheide mich dafür, die Honda wieder abzugeben. Es bringt nichts. Ich fühle mich dermassen unsicher darauf und so macht es keinen Spass. Trotzdem sie schon recht niedrig ist, komme ich immer noch nicht mit dem ganzen Fuss auf den Boden. Musste ich irgendwo anhalten oder auch mal so rangieren hatte ich immer Angst das Gleichgewicht zu verlieren und umzukippen. Also wieder zurück. Nur blöd, dass wir beide Motorräder schon für 10 Tage bezahlt haben. Wir haben uns schon auf herbe Diskussionen mit der Vermietung eingestellt. In diesen südlichen Ländern soll es, was Auto/Motorrad-Vermietungen betrifft, schon recht dubiose Machenschaften geben. Aber weit gefehlt... wir haben unser Geld problemlos zurück bekommen.
Ende vom heutigen Lied... ich bin dann bei Frank hinten drauf mitgefahren. Leider bezog sich der Himmel und es wurde nass. Nach einer kurzen Tour sind wir wieder umgekehrt. Schon wieder Regen... Laut Auskunft der Reiseleitung und den Einheimischen sollte es aber zum Wochenende wieder besser werden. Zunächst sah es aber so aus.

Unwetter_1

Unwetter_2

Der Himmel über den Bergen war tiefgrau, es gewitterte und goss wie aus Eimern. Aus dem sonst türkisfarbenen, ruhigen Meer ist eine graue, aufgewühlte Brühe geworden. Die Bilder geben allerdings nicht ganz den wahren Anblick wieder. Es war eine gute Idee mit dem Motorrad wieder umzukehren. Nicht auszudenken was bei diesem Unwetter in den Bergen hätte passieren können! Am nächsten Tag sah es nicht viel besser aus. Wir wollten aber trotzdem nicht den ganzen Tag im Hotel sitzen bleiben. Motorrad fahren war nicht. Also, sind wir zur Vermietung und haben das Möpi gegen ein Auto eingetauscht. Das hat anstandslos geklappt. Fünf Euro haben wir für das Auto noch mal draufgepackt... Dann ging's los... es schüttete natürlich wieder wie aus Kübeln... zeitweise haben die Scheibenwischer es nicht mehr geschafft, die Scheiben frei zu bekommen. Urplötzlich rissen die Wolken etwas auf und die Sonne kam durch. Und dann wieder Sturzbäche vom Himmel. Es war schon irgendwie merkwürdig. Da wir uns auf Kreta natürlich noch nicht auskannten, fuhren wir immer der Nase nach.

Lassithi Plateau

Angekommen sind wir dann irgendwann auf dem Lassithi Plateau, einer Hochebene inmitten des Dikti-Gebirges. Früher waren hier die charakteristischen Windräder mit den weißen Segeln zu sehen, die zum Wasserförden genutzt wurden. Durch Absenkung des Wasserpiegels wurden diese aber durch Pumpen mit Dieselmotoren ersetzt.
So ging es dann mit dem Wetter immer weiter. Ein Wechsel von Sonne und blauem Himmel und dann wieder sintflutartige Regenfälle. Selbst die Einheimischen waren leicht verwirrt. In dieser Jahreszeit soll es sehr beständig sein. Aber eines konnten sie alle gut... vertrösten.. selbst die deutsche Reiseleitung war im Wetter-Vertrösten geschult. Zum Wochenende wurde immer schönes Wetter prophezeit. Dem war aber nicht so. Wenn ich noch einmal darauf hinweisen darf: Wir waren nach Kreta gekommen um Motorrad zu fahren! zwischendurch hatten wir dann noch einen Versuch gestartet. Wir hatten uns die XT 600 noch einen Tag ausgeliehen, aber am nächsten Tag haben wir dann wieder getauscht. Im Hotel sitzen ist absolut nicht das, was wir uns von diesem Urlaub vorstellten.
Da Kreta sehr bergig und felsig ist, wollten wir natürlich auch mal von den durchaus guten Strassen ins Gelände. Das ist dort auch kein Problem... Da sehr viele Ziegen und Schafe gehalten werden, gibt es auch überall Zäune. Die kann man an den Durchlässe öffnen, um in das eingezäunte Gebiet zu fahren. Natürlich muss man diese dann auch wieder schliessen, damit die Viecher nicht rauskönnen. Nun, trotz der vielen Zäune sind noch genügend Tiere auf den Strassen herumgelaufen. Man musste immer damit rechnen, dass hinter einer Kurve plötzlich eine Schaf- oder Ziegenherde auftauchte.
Unser nächstes Auto war also dieser Jeep. Den haben wir auch nicht sonderlich geschont. Wenn schon 4-Gang Getriebe, dann musste das auch ausprobiert werden. Man findet in den Bergen unheimlich viele Holperstrecken die auch für Enduro-Fans eine wahre Pracht sind. Mir persönlich ist der Jeep aber lieber gewesen ;-) Es sind sogar extra Strecken für Jeeps ausgewiesen. In den Bergen eröffnet sich einem eine schroffe Landschaft. Manchmal ein wenig trostlos, da nur Steine und Felsen zu sehen sind, und wenn man dann Kreta so von oben betrachtet fallen auch die vielen Olivenplantagen auf.

Jeep

Landschaft

Landschaft_2

Landschaft_3

Landschaft_4

Ein klein wenig Statistik: Seit ca. 4000 Jahren baut man auf Kreta Olivenbäume an. Davon gibt es heute etwa 20 Millionen. Auf jeden Einwohner kommen durchschnittlich 30 Bäume. Olivenöl ist neben selbstgepflückten Kräutern, frischem Obst, Gemüse und Fisch Hauptnahrungsmittel, daher die hohe Lebenserwartung der Kreter. Das nur am Rande bemerkt. Ja, man sollte seine eigene Ernährung mal überdenken.

Unterwegs_Küste1

Zurück zum Reisebericht. Nach dem Tag des Jeeps gab es wieder etwas mehr Sonne. Heute wollten wir endlich wieder eine Tour mit dem Motorrad machen. "Unser" Motorrad stand auch bereit, aber auf dem Aushang der Vermietung habe ich ein anderes Motorrad entdeckt. Eine Honda Transalp 650. Wir haben nachgefragt, und nach einer erbetenen halben Stunde Wartezeit haben wir die dann auch bekommen. Endlich wieder auf zwei Rädern unterwegs. Mit dem Wetter hatten wir Glück. Unterwegs kein Regen und so konnten wir eine ausgiebige Tour entlang der Küste fahren.

Küste_2

Küste_3

Abends hatten wir dann doch endlich wieder Regen. Mit der Zeit gewöhnten wir uns an die Feuchtigkeit von oben. Uns blieb ja auch gar nichts anderes übrig, als es hinzunehmen. In der Autovermietung wurden wir mittlerweile auch mit Handschlag, Raki und Granatapfel begrüsst. Ist doch auch nett. Da wir den nächsten Tag natürlich auch nicht im Hotel sitzen wollten, wurde das Motorrad wieder in ein Auto umgetauscht. Unser Weg führte uns quasi blind - wegen den Wolkenbrüchen unterwegs - ins Meeresaquarium von Heraklion. Dort hatten wir wenigstens ein Dach überm Kopf und konnten uns schlau machen, welches Getier um Kreta herum im Meer schwimmt.

Heraklion_Aquarium

Hummer

Nach dem Aquarienbesuch war es noch recht früh. Ins Hotel wollten wir noch nicht, also haben wir uns noch ein wenig die Gegend angeschaut... wenn man denn was durch die Wasserwände sehen konnte. Wetterbedingt wollten wir uns auch ungern weiter nach oben hinauswagen. Wenn die Einheimischen schon davon abraten, in die Berge zu fahren, dann sollte man sich auch daran halten. Die kennen ihre Berge besser. Es ist ja auch nirgends etwas an die Bergwände gebaut, was ein Felsbrocken abhalten könnte, wenn sich mal eine  Gerölllawine löst.

Unwetter_1

Unwetter_2

Unwetter_3

Unwetter_4

Nur mal so als Hinweis zwischendurch, unsere Reise machten wir im Oktober 2006. Aufmerksame Zeitungsleser und Nachrichtengucker haben jetzt vielleicht eine Ahnung. Bei diesen Wetterkapriolen handelte es sich um das "Jahrhundertunwetter" in Griechenland. Vom blauen Himmel auf den unteren Bildern darf man sich nicht täuschen lasen. Das hat sich ganz schnell wieder geändert!

überschwemmt_1

überschwemmt_2

Wir haben uns während des Urlaubs noch mit 4 Schwesternschülerinnen angefreundet, mit denen wir eine Tour zu den Höhlen von Matala gemacht haben. Die Höhlen stammen aus frühchristlicher Zeit und sind in den siebziger Jahren von Hippies bewohnt worden. Eine traumhafte Bucht mit weissem Strand und türkisfarbenem Wasser. Da kann man sich dann auch so richtig vorstellen, dass die Hippies es sich damals haben gut gehen lassen. Dorthin unterwegs waren wir mit einem der hässlichsten Autos, dem Fiat Multipla, die man sich vorstellen kann. Aber, man muss es zugeben, für 6 Personen war der prima. Er hat uns selbst aus der grössten Pfütze gebracht in der wir kurz feststeckten.

Matala_1


Matala_2

In Matala hatten wir auch gegessen. Frank und ich versuchten dort mal das Mezedes, ein aus Vorspeisen bestehendes Hauptgericht. Da wir hier am Wasser waren, bestand es wunschgemäss u.a. aus Meeresgetier. Das alles, was  auf dem Bild zu sehen ist war die Portion Mezedes für 2 Personen. Also, sehr reichlich.

Mezedes

Das alles, was links auf dem Bild zu sehen ist war die Portion Mezedes für 2 Personen. Also, sehr reichlich. Es war auch sehr lecker bis auf einige Fischzubereitungen. Die hatten nicht ganz meinen Geschmack getroffen. Man konnte aber auch mal schauen, was noch so angeboten wurde. Dazu plünderte der Kellner den Kühlschrank und man konnte wählen, was man essen wollte. Allerdings war das erst mal im Rohzustand. Na dann Guten Appetit!

 

roher_Fisch_1


 

roher_Fisch_2

Nach einiger Zeit ging es dann endlich auch weiter. An einem Friedhof hielten wir auch noch mal an. Die sehen dort so ganz anders aus als hier in Deutschland. Das musste auch mal näher betrachtet werden. Es sieht alles ganz hübsch aus und von allen Verstorbenen gab es auch ein Bild um welches noch irgendwelche Gegenstände drapiert wurden. Aber es gab auch einige Merkwürdigkeiten zu sehen. Das gäbe es auf unseren Friedhöfen nicht. Sargdeckel und offene Gräber (allerdings ohne "Inhalt").

Friedhof

Deckel

Und wie es nun mal so ist, wenn der Urlaub zu Ende geht, wird das Wetter auch wieder besser. Aus diesem Anlass haben wir uns also die Trans Alp noch ein Mal geholt, um noch ein paar letzte Eindrücke von Kreta mit nach Hause zu nehmen.

Esel_Opa_1

Esel_Opa_2

Landschaft_9

Mühle

Landschaft_7

 

Landschaft_8

Auch wenn wir mit dem Wetter Pech gehabt haben, war es ein schöner Urlaub.